Baukulturelle Bildung ist keine Nebensache

Grußwort zum Tag der Architektur und Ingenieurbaukunst 2026

Der Tag der Architektur und Ingenieurbaukunst ist ein besonderes Format. An zwei Tagen öffnen sich Türen, die im Alltag meist verschlossen bleiben. Gebäude, Plätze und Infrastrukturen werden erlebbar und vor allem erklärbar. Genau darin liegt seine Stärke: Er bringt Menschen zusammen, die bauen, planen und nutzen. Er schafft unmittelbare Einblicke in die gebaute Umwelt und lädt zum Austausch mit denjenigen ein, die Verantwortung für sie tragen.

Denn gute Architektur erschließt sich nicht immer auf den ersten Blick. Sie braucht Dialog, Einordnung und manchmal auch Übersetzung. Wer versteht, wie Gebäude entstehen, welche Entscheidungen dahinterstehen und welche Ziele verfolgt werden, entwickelt ein anderes Gespür für Qualität. Baukulturelle Bildung ist deshalb keine Nebensache, sondern eine zentrale Voraussetzung dafür, dass wir unsere Umwelt bewusst wahrnehmen und mitgestalten können.

Dabei geht es um Ästhetik, aber auch um Maßstäblichkeit, um Nachhaltigkeit, um den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und um die Frage, wie wir mit dem Bestand umgehen und wie wir Räume schaffen, die funktional, bezahlbar und zugleich lebenswert sind. Diese Themen prägen die Arbeit von Architektinnen, Architekten und Ingenieurinnen und Ingenieuren – und sie betreffen uns alle. In Schleswig-Holstein leisten viele Akteure einen wichtigen Beitrag zur Vermittlung dieser Inhalte: Hochschulen, Kammern, Initiativen und Projekte wie die Jugendbauhütte in Lübeck oder der Fachbereich Bauwesen der Hochschulen im Land. Sie alle tragen dazu bei, Wissen zu vermitteln, Interesse zu wecken und Qualität sichtbar zu machen.
Auch das Land engagiert sich aktiv für Baukultur. Mit der Baukulturinitiative Schleswig-Holstein schaffen wir eine Plattform, die Akteure vernetzt, den fachlichen Austausch stärkt und gute Beispiele ins öffentliche Bewusstsein rückt. Der Landespreis für Baukultur ist dabei ein wichtiges Instrument. Er würdigt Projekte, die zeigen, wie verantwortungsvolles, ressourcenschonendes und zugleich bezahlbares Bauen gelingen kann. Die dazugehörige Wanderausstellung bringt diese Beispiele in die Regionen und macht sie für viele Menschen zugänglich.

Der Tag der Architektur und Ingenieurbaukunst ergänzt diese Arbeit auf ideale Weise. Er macht Baukultur konkret erlebbar. Er zeigt, was möglich ist – und er lädt dazu ein, Fragen zu stellen, Perspektiven zu wechseln und neue Ideen mitzunehmen. Ich möchte Sie daher ausdrücklich ermutigen, dieses Angebot zu nutzen. Nehmen Sie sich Zeit, schauen Sie genau hin, kommen Sie ins Gespräch. Unser gemeinsames Ziel ist klar: Wir wollen das Bewusstsein für unsere gebaute Umwelt stärken und die Qualität des Planens und Bauens langfristig sichern.

Ministerin Magdalena Finke · Ministerium für Inneres, Kommunales, Wohnen und Sport des Landes Schleswig-Holstein · Foto: Frank Peter