Zum Sachverständigenwesen
Der neue „Motzke“, das umfangreiche Handbuch zum Bausachverständigenwesen, ist in neuer Auflage erschienen.
Dr. Felix Lehmann, Richter am Landgericht Kiel, bewertet die neue Veröffentlichung zur Kenntnis unserer Sachverständigen und übrigen interessierten Kammermitglieder:
Der Bauschadenssachverständige
Der Bauschadenssachverständige - Bestellung, Aufgaben und Praxis des Bauschadenssachverständigen im Gerichtsverfahren und als Privatgutachter. Von Dipl.-Ing. Norbert Bogusch und Prof. Dr. Gerd Motzke, Vors. Richter am OLG a.D., Stuttgart: Fraunhofer IRB Verlag 2009. 336 S., € 49,-. ISBN 978-3-8167-7591-1
Richter am Landgericht Dr. Felix Lehmann, Kiel
Das vorliegende Buch ist das Ergebnis der interdisziplinären Zusammenarbeit eines öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen und eines Vorsitzenden Richters am Oberlandesgericht a.D. Der reiche Erfahrungsschatz der beiden Experten umfasst die rechtlichen Grundlagen des Sachverständigenwesens und die Tätigkeit in der Praxis bei Gericht. Sie liefern sowohl angehenden als auch routinierten Sachverständigen eine Vielzahl von Hinweisen und konkreten Verhaltenstipps für den Arbeitsalltag des Gutachters.
Teil 1 des Buchs beschreibt das Sachverständigenwesen aus Sicht des Sachverständigen (u.a. mit den Kapiteln: Grundlagen der Sachverständigentätigkeit, Qualifikation des Sachverständigen, Sachverständige und Werbung, Ortstermin, Vorbereitung des Gutachtens, Gutachtenbearbeitung, der Weg zur öffentlichen Bestellung). In Teil 2 wird das Sachverständigenwesen aus juristischer Sicht geschildert. Dabei geht es vor allem um die Rolle des Sachverständigen im gerichtlichen Verfahren. Detailliert werden dem Leser die verfahrensrechtlichen Grundlagen und Zusammenhänge für das Gerichtsgutachten beschrieben. Dabei werden in angemessenem Maße wichtige Gerichtsentscheidungen und zentrale Normen, die Sachverständige beachten sollten, einbezogen. Zum Abschluss dieses Teils wird auch noch die Tätigkeit des Sachverständigen als Privat- und als Schiedsgutachter erläutert. Teil 3 enthält einen Beispielsfall, in dem anschaulich ein selbständiges Beweisverfahren mit anschließendem Hauptsacheverfahren dargestellt wird. Zum Schluss beinhaltet Teil 4 des Buchs einige Muster für die Sachverständigen- und die Gerichtspraxis.
Besonders beeindruckend ist der große Nutzen des Buchs für die Praxis des Sachverständigen. Auf fast jeder Seite finden sich (häufig hervorgehoben als „Hinweis für den Sachverständigen“ oder „Hinweis an den Gerichtssachverständigen“) zahlreiche Antworten auf typische Schwierigkeiten, Fallstricke und Probleme, mit denen Gutachter in ihrer täglichen Arbeit konfrontiert werden können. Gerade für die Tätigkeit bei Gericht vermittelt es dem Leser eine Fülle an Hintergrundinformationen und Verhaltensanregungen, die von unschätzbarem Wert sind. Es gelingt den beiden Autoren auf nur 236 Seiten (Teil 1 und 2) das wichtigste Praxiswissen auf gut lesbare Weise zusammenzufassen. Eine sorgfältige Lektüre des Werks kann jedem Bausschadenssachverständigen nur nachdrücklich empfohlen werden.
